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Mischtechniken in der Ölmalerei

Die Arbeit mit Künstlerölfarben gilt als Königsdisziplin der Malerei. Selbst Picasso verbrachte seine jungen Jahre mit dem Kopieren der großen spanischen Meister – denn wie bei den meisten Handwerken, ist auch in der Ölmalerei Genialität kein Geburtsrecht. Sie ist vielmehr eine Frage der Übung. Vor allem die Kombination mit anderen Maltechniken kann aufgrund der besonderen Eigenschaften der Künstlerölfarbe eine Herausforderung sein und setzt einige Erfahrung, sowie eine genaue Kenntnis des Materials voraus.

Künstlerölfarbe unterscheidet sich sowohl in der Verarbeitung, als auch in den Effekten, die durch sie erzielt werden, deutlich von anderen Maltechniken. Allein die Herstellung auf der Basis von trocknenden oder halbtrocknenden Ölen wie Lein- oder Hanföl, denen – je nach gewünschter Farbintensität – eine bestimmte Menge von Pigmenten beigemischt wird, erfordert selbst bei einem dünnen Farbauftrag mehrtägige Trocknungspausen.

In dieser besonderen Eigenart der Künstlerölfarbe liegt jedoch auch ihre Stärke: Durch den Trocknungsprozess wird das Malen in "Schichten" ermöglicht, das insbesondere großformatigen Bildern Tiefe und Plastizität verleiht. In der Renaissance-Malerei entwickelte sich auf Grundlage dieser Eigenschaft die sogenannte"Eitempera-Malerei", bei welcher sich Schichten aus Eitempera (eine Emulsion aus Ei, Wasser, Leinöl und Farbpigmenten) und Ölfarben-Lasuren abwechseln.

Dabei wird Schicht für Schicht sowohl in der Emulsion als auch in der Lasur der Ölanteil erhöht. Bei kleineren Formaten können Sie den so erzielten plastischen Effekt jedoch auch über einen pastosen Farbauftrag und die sogenannte "Nass-in-Nass-Technik" bewerkstelligen.

Ölfarben mischen: Mit vier Farben zum gesamten Spektrum

Vor der Kombination mit anderen Maltechniken steht das Mischen der Künstlerölfarben untereinander: Der geübte Künstler benötigt neben weißer Farbenur die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau, um jeden beliebigen Farbton herstellen zu können. Für eine geschmeidigere Konsistenz der von Natur aus recht zähen Paste sorgt das Vermischen der Ölfarben mit sogenannten "Malmitteln", unter denen das gebräuchlichste Terpentinöl (in der Regel Citrus-Terpentinöl) ist. Durch die Beimischung kleinerer oder größerer Terpentinmengen können Sie zudem die jeweilige Farbintensität regulieren.

Erfahrene Künstler mischen ihren Farbton mit dem Pinsel oder einem kleinen Spachtel direkt auf der Leinwand. Solange Sie jedoch noch üben, ist es sinnvoller, die Farben auf der Palette anzumischen; diese Technik empfiehlt sich auch, wenn Sie größere Mengen eines bestimmten Farbtons benötigen. Gerade zu Beginn sollten Sie daran denken, eine Farbtafel für Ihre selbst gemischten Töne anzulegen, um diese im Bedarfsfall nachmischen zu können. Je öfter Sie diesen Vorgang wiederholen, desto sicherer werden Sie in der Auswahl Ihrer Mischfarben und desto leichter fällt es Ihnen, einzelne Farbnuancen zu unterscheiden.

"Fett auf mager": Acryl- und Aquarellfarben als Untergrund für Ölbilder

Da in der Malerei stets die Farbe mit dem höheren Fettanteil auf die Farbe mit dem geringeren Fettanteil aufgetragen wird, gibt es für die Kombination von Künstlerölfarben mit anderen Maltechniken nicht viele Möglichkeiten. Aus diesem Grund können sowohl Acryl- als auch Aquarellfarben lediglich als Untergrund für Ölbilder dienen. Während die Untermalung mit Aquarellfarben sich in erster Linie durch ihre leichte Transparenz auszeichnet und daher mehr als eine Art farbige Skizze dient, eröffnen sich durch die Untermalung mit Acrylfarben ganz neue Möglichkeiten der Gestaltung.

Durch den kurzen Trocknungsprozess der Acrylfarbe ist der Bilduntergrund extrem schnell angelegt und kann durch die Verwendung von Strukturpaste oder Acrylbinder nach Belieben bearbeitet und modelliert werden. Zudem ist die Acrylfarbe der ideale Untergrund für die Einarbeitung anderer Materialien wie etwa Holz, Papier, Metall oder Kunststoff, die sich nicht – im Gegensatz etwa zu Sand oder Kaffeepulver – der Ölfarbe direkt beimischen lassen. So können durch die Kombination von Acryl- und Ölfarbe letzten Endes Materialbilder und Collagen in Öl realisiert werden.

„Zwei in Eins“: Integration von Zeichentechniken in Ölbilder

Genau wie Acryl- und Aquarellfarben, eignen sich auch gezeichnete Elemente lediglich als Untermalung für den Auftrag von Künstlerölfarben. Eine Beschränkung der Zeichenmittel gibt es jedoch nicht, denn als Untergrund für ein Ölbild eignen sich sowohl Pastell- und Ölkreiden, als auch Kohle, sowie Bunt-, Blei- und Filzstifte. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die gezeichneten oder gemalten Elemente in das Bild zu integrieren – von der Kohlen- oder Bleistiftskizze bis hin zu kombinierten Farbverläufen. Künstler wie beispielsweise Christo integrieren gern zeichnerische Elemente in ihre Arbeiten (insbesondere in Collagen und Materialbilder), um ihnen mehr Tiefe zu verleihen.

Sollen die unterschiedlichen Maltechniken im fertigen Bild gut zu erkennen und klar voneinander zu unterscheiden sein, bietet sich eine kräftig ausgeführte Zeichnung an, die später durch die Schichten der Ölfarbe hindurchschimmert. Hierfür empfiehlt es sich, die gezeichneten Elemente mit einem Firnis zu fixieren, bevor die Ölfarben aufgetragen werden. Ebenfalls gut unterscheidbar bleiben die Techniken, wenn Sie die Zeichnung als Skizze oder Vorlage verwenden und sie mit den Ölfarben gleichsam „ausmalen“. Hierdurch entstehen zudem auffallende Kontraste.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Techniken bewusst zu vermischen und die gezeichneten Elemente mittels Terpentinöl zu verwischen bzw. mit den Zeichenmitteln direkt auf den – mit Terpentinöl vorbehandelten – Malgrund zu zeichnen. Diese Zeichnungen haben weiche Konturen und können je nach Belieben in entsprechende Farbverkäufe der Ölfarbe integriert werden – lassen Sie Ihrer Kreativität einfach freien Lauf!