GALERIE ZIMMERMANN

Jeder gegen Jeden

Materie in Bewegung: Ottmar Hörl

Ottmar Hörl, Jahrgang 1950, hat ein reiches Oeuvre vorzuweisen. Besonderes seine Installationen, Objekte und Skulpturen ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Auch so manche Kontroverse haben sie schon ausgelöst.


Der gebürtige Nauheimer und emeritierte Professor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg wurde in seinem Genre vor allem für seine eigene Definition der "Skulptur als Organisationsprinzip" bekannt. Begonnen hat er allerdings nicht als bildender Künstler, sondern als Student im Maschinenbau. Seine derzeitige Wohn- und Wirkungsstätte ist Nürnberg und Wertheim. In seiner Zeit als Student an der Frankfurter Städelschule und später als Schüler von Klaus Rinke an der Hochschule für Bildende Künste Düsseldorf erhielt er seine spezifischen Prägungen. Seine Werke beschäftigen sich im weitesten Sinne mit einer Ästhetik der Alltagskultur. Ihn einer einzigen, bestimmten Stilrichtung der Kunstwelt zuzuordnen fällt schwer.


Seine vielfältigen Werke sind in unzähligen großen und kleinen Sammlungen im In- wie auch im Ausland anzutreffen. Darunter finden sich prominente Sammlungen von großem Wirkungsgrad, wie die des Museum of Modern Art in New York City, USA, oder auch die Sammlung im Deutschen Bundestag in Berlin. Besonders erwähnenswert für den öffentlichen Raum ist sicherlich seine Euro-Skulptur vor dem Frankfurter Eurotower.


Immer wieder tritt Ottmar Hörl aber auch als Autor verschiedener Veröffentlichungen auf. Hier sei zu nennen eines seiner ersten Werke: "Formalhaut. Architektur, Skulptur." (Erschienen 1988). Es bezieht sich auf seinen Entwurf mit der Gruppe Formalhaut, die das Behördenzentrum Gutleut mit einer hervorstechenden Landschaft auf dem Dach in Form von farbenfrohen Hütchen erarbeitete.


Eine echte Kontroverse löste er mit seiner Installation von 1.250 Gartenzwergen aus, die den Hitlergruß zeigten. Im Sommer 2009 leitete deswegen die Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen ihn ein Ermittlungsverfahren ein, wegen Verwendung von Kennzeichen verfassuungsfeindlicher Organisationen. Auslöser war eine anonyme Anzeige gegen ihn. Er selbst verteidigte sich inhaltlich damit, dass er sagte, dass es sich um eine "Persiflage auf das Herrenmenschentum der Nazis" handeln sollte. Wenig später wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth stellte nämlich fest, dass der Hiltergruß zeigende Gartenzwerg in "eindeutiger Weise die Gegnerschaft zu der Organisation und die Bekämpfung ihrer Ideologie zum Ausdruck bringt". Die Nazi-Ideologie sollte damit der Lächerlichkeit preisgegeben werden.


Erneutes Aufsehen erregte er unter anderem mit seinen 800 farbigen und Martin-Luther-Skulpturen in Wittenberg unter dem Titel "Hier stehe ich", die während der Renovierungszeit des originalen Martin-Luther Denkmals von Johann Gottfried Schadow auf dem Wittenberger Marktplatz aufgestellt wurden. Auch diese Installation stieß inhaltlich eine Kontroverse mit an, da Martin Luthers antisemitische Schriften zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit diesem Erbe der Evangelischen Kirche führten.

Ottmar Hörl "Jeder gegen Jeden"
Diese und ähnliche Installationen sind es auch, mit denen Ottmar Hörl vor allem der in der breiteren Öffentlichkeit zu einer gewissen Prominenz gelangt ist. Unter seinen Skulpturen finden sich immer wieder Hommagen an berühmte Personen der Geschichte, Literatur, Musik und Gesellschaft, darunter Berthold Brecht, der Erfinder Gottlieb Daimler, der Dichter Theodor Fontante, der Komponist Richard Wagner, Johannes Gutenberg, König Ludwig II., Albert Einstein und viele andere mehr. So fand er mit der Zeit seinen Weg abseits des gängigen Kunstmarktes. In seinen seriellen Skulpturen bildet sich sein Werdegang ab, vom Maschinenbaustudent und Konstrukteur hin zum bildeten Künstler. Die industrielle Serienproduktion ist für ihn offenbar mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie ermöglicht einer breiteren Öffentlichkeit die Teilhabe an seiner Kunst, in dem er eben nicht nur in renommierten Sammlungen ausstellt, sondern vor allem im öffentlichen Raum eine Bühne für seine Werke sucht. Darunter sind zahlreiche kommunale Einrichtungen in ganz Deutschland zu finden.


Ein Satz mit dem Hörl immer wieder gern zitiert wird, liest sich wie ein Programmspruch für sein umfassendes Werk: „Ein Bildhauer definiert sich nicht dadurch, daß er tonnenweise Material hinschüttet, Förmchen drapiert und sich auf der schmalen Werkspur der Identifizierbarkeit selbst verwirklicht, sondern dadurch, daß er Materie in Bewegung versetzt. Wie ein Zauberer.“

Ottmar Hörl "Jeder gegen Jeden"


Ottmar Hörl und seine Kunst

Ottmar Hörl ist ein deutscher Künstler, Bildhauer, Foto- und Objektkünstler. Seine Ausdrucksformen sind einzigartig, vielfältig und lassen sich kaum in eine Stilrichtung einordnen. Bekannt wurde er unter anderen durch seine seriellen Skulpturen, die das alltägliche Leben repräsentieren. Er beschreibt Skulpturen als Organisationsprinzip, was in vielerlei Hinsicht in der Umgebung sowie im Alltag zu finden ist.

Lebensweg

Ottmar Hörl wurde im Jahr 1950 in Nauheim geboren. Vor seinem Start in die Künstlerwelt studierte er Maschinenbau und arbeitete nach abgeschlossenem Studium als Konstrukteur. Für den künstlerischen Weg entschied er sich erst im Jahr 1975, wo er sich an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt bewarb. Diese schloss Hörl 1979 ab und erhielt daraufhin mithilfe eines Stipendiums Zugang zur Hochschule für Bildende Künste in Düsseldorf. Dort wurde er unter anderem von Prof. Klaus Rinke unterrichtet. Hörls Studium endete 1981, woraufhin er bereits kurze Zeit später seine erste Einzelausstellung erhielt.


Im Jahr 1985 gründete Ottmar Hörl zusammen mit den Architekten Götz G. Stöckmann und Gabriela Seifert eine Gruppe namens „Formalhaut“. Zusammen entwarfen sie die ausdrucksstarke Dachlandschaft des Behördenzentrums in Gutleut. Drei Jahre später wurden einige von Hörls Werken auf der Galerie Vorsetzen, einer Künstlerkooperative in Hamburg, gezeigt.


1992-93 erhielt Ottmar Hörl zusammen mit „Formalhaut“ eine Gastprofessur auf der TU Graz. Nur ein Jahr später wurde er zusammen mit seiner Gruppe von der Akademie der Künste Berlin mit dem Förderpreis für Baukunst belohnt. 1997 erhielt er auf dem internationalen Kunstmarkt in Düsseldorf den Cologne Fine Art-Preis. Nach einem weiteren Jahr wurde er mit dem Wilhelm-Lot-Preis gewürdigt, ein Kunstpreis vergeben von Darmstadt.


OTTMAR HÖRL "Sponti (signiert)"

Ottmar Hörl
Sponti-Zwerg


Seit 1999 ist er als Professor für Bildende Künste auf der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg tätig. Viele seiner Werke werden nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland sehr hochgeschätzt und finden sich in zahlreichen Sammlungen und öffentlichen Räumen.


2002 erhielt er, zusammen mit Dietmar Wiesner und Rainer Römer den Intermedium-Preis. Im Jahr 2009 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den unvergleichlichen Künstler eingeleitet. Anlass hierfür war eine unbekannte Anzeige an die Nürnberger Galerie, in welcher ein goldener Gartenzwerg des Künstlers ausgestellt war, der den Hitlergruß zeigte. Laut Hörl seien die Zwerge zwar eine Anregung für Diskussionen gewesen, als Nazi war er jedoch bis dato noch nie bezeichnet worden. Die Ermittlungen wurden nach dem Bekanntwerden bereits nach wenigen Tagen wieder eingestellt.


Im Jahr 2012 erhielt Ottmar Hörl von seinen Studenten eine ganz besondere Ehrung: Als Erinnerung an sein wohl bekanntestes Werk, das „Große Hasenstück“ wurden 350 Figurinen ausgestellt. Das Motto hierfür belief sich auf „350 Präsidenten für die Akademie“.


2015 wurde Hörl mit dem CREO-Innovationspreis von der Deutschen Gesellschaft für Kreativität in Frankfurt a.M. geehrt.