GALERIE ZIMMERMANN

Nagelbilder von Günther Uecker

Günther Uecker
Günther Uecker zählt zu den einflussreichsten Künstlern der deutschen Nachkriegsgeschichte. Berühmt ist er mit seinen Nagelbildern geworden. Darüber hinaus hat er die ZERO-Bewegung entscheidend mitgestaltet. Er hat für sein Werk viele Auszeichnungen und Preise erhalten. 

Kindheit und Jugend 
Günther Uecker wird 1930 in Wendorf geboren. Seine Kindheit verbringt er auf der Halbinsel Wustrow. Er fängt bereits als Vierjähriger mit dem Malen und Zeichnen an. Von seinem Vater werden die künstlerischen Interessen nicht gefördert. Wird er beim heimlichen Zeichnen ertappt, dann setzt es Prügel. Schreckliche Erlebnisse bei Kriegsende haben Uecker geprägt.

Ein Schlüsselerlebnis hat er 1945: Die Briten versenken die Cap Arcona. Auf diesem Schiff befinden sich mehr als 4.500 KZ-Häftlinge, die auch noch im Wasser beschossen werden. Mehrere hundert Leichen werden in Wustrow an Land gespült und liegen dort einige Wochen lang. Schließlich wird Uecker gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen dazu ausersehen, die bereits stark verwesten Leichname zu vergraben. Uecker berichtet später, dass diese Erfahrung ihn sprachlos gemacht hat. Und wo die Sprache endet, wo dem Menschen die Worte fehlen, da setzt nach Uecker die Kunst ein. 

Günther Uecker Rostock 2016

Günther Uecker "Strömung 2016 / Rostock"


Studium und erste Werke – Ueckers Nagelkunst 
Uecker arbeitet bis 1949 als Bauer, dann wird sein künstlerisches Talent erkannt und von der DDR gefördert. Von 1949 bis 1953 studiert er Malerei in Wismar und Berlin. Er besucht einige Male den Westen und unternimmt im Jahr 1955 einen Fluchtversuch mit dem Wunsch, in Düsseldorf Malerei bei Otto Pankok zu studieren. Auf der Flucht wird er gefasst, lange im ehemaligen Konzentrationslager Sandbostel festgehalten und immer wieder als vermeintlicher Spion verhört. 


Als Uecker schließlich in Düsseldorf ankommt, gelingt ihm die Aufnahme in die dortige Kunstakademie. Mit Anfang zwanzig stellt er die ersten Nagelbilder her. Er treibt dabei zahllose Zimmermannsnägel dicht aneinander in weiße Bretter hinein. Das so entstehende dreidimensionale Werk ist reliefartig und wirkt vor allem durch die Anordnung der Nägel und durch die Lichteinstrahlung. Einige Jahre später beginnt Uecker damit, auch Alltagsgegenstände (Möbel, Fernseher) mit Nägeln zu bearbeiten. 1964 treibt er im Rahmen einer Vernissage Nägel in ein Klavier ein. Das erregt Aufsehen, Ueckers Bekanntheitsgrad steigt. 

Künstlerische Projekte und Reisen 
In Düsseldorf arbeitet er auch mit dem Lichtkünstler Otto Piene und mit Heinz Mack zusammen. Mack ist bekannt für seine Lichtinstallationen. Mack und Piene gründen Ende der 1950er die ZERO-Bewegung, Uecker wird im Jahr 1961 Mitglied, gemeinsame Ausstellungen folgen. ZERO geht es darum, den Ballast der Kriegserfahrungen abzuwerfen, bei Null zu beginnen und neue künstlerische Wege zu erproben. ZERO bedeutet Stille und Neuanfang. Die drei Künstler beschäftigen sich vor allem mit der Wirkung von Licht und Bewegung. Sie schaffen Lichträume und lichtkinetische Objekte, Uecker kreiert so genannte Lichtplantagen. 

Uecker entwickelt sich in den 1960ern zu einem bekannten und gefragten Künstler, er bereitet Ausstellungen vor, hält sich längere Zeit New York auf und verfolgt diverse Projekte gemeinsam mit internationalen und nationalen Kollegen. Er ist viel unterwegs. In den 1970ern zieht es ihn nach Süd- und Lateinamerika, in den 1980ern unternimmt er Reisen nach Japan, China und Russland. Seine künstlerischen Arbeiten entstehen aus der Auseinandersetzung mit den Ereignissen der Zeit (Vietnamkrieg, Tschernobyl). Uecker ist politisch engagiert und arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie Sand, Holz, Stein, Erde und Asche. Von 1976 bis 1995 ist er als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie tätig.

Späte Jahre 
1999 wird Uecker mit der Gestaltung des Andachtsraumes im neuen Berliner Reichstagsgebäude beauftragt. Im selben Jahr fertigt er ein Steinmal für das ehemalige KZ Buchenwald an. Der Krieg und die Gewalt bleiben seine Lebensthemen. Durch die Kunst versucht er, auch seine persönlichen Gewalterfahrungen zu verarbeiten. Darüber hinaus setzt er sich für Toleranz, Gewaltlosigkeit, Frieden und Umweltschutz ein. 

2008 erfolgt gemeinsam mit Heinz Mack und Otto Piene die Gründung der ZERO foundation. Das Anliegen dieser von der Stadt Düsseldorf unterstützten Stiftung besteht darin, die ZERO-Bewegung zu erhalten, zu erforschen und zu fördern. Ursprünglich ist die Stiftung im Düsseldorfer Medienhafen untergebracht, im Jahr 2016 wird die Übersiedelung in die legendäre Hüttenstraße 104 beschlossen. Dort hatte der 2014 verstorbene Piene sein berühmtes Feueratelier und dort begannen auch Piene, Mack und Uecker mit ihren bahnbrechenden Arbeiten. 

Heute lebt Uecker abwechselnd in Düsseldorf und in St. Gallen. Er unterhält ein Atelier in Berlin und kehrt auch oft in seine Heimat zurück. In Wustrow besitzt er auf dem ehemaligen Pachtgrundstück seines Vaters eine Hütte am Strand. Sie befindet sich an jener Stelle, wo 1945 die Leichen angespült wurden.