< Ottmar Hörl >
Ottmar Hörl
Ottmar Hörl ist 1950 in 1950 in Nauheim geboren. Er lebt und arbeitet in Wertheim am Main in Baden-Württemberg. Seit 1999 ist er Professor an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg. Ottmar Hörl ist bekannt geworden mit seiner Konzeptkunst im öffentlichem Raum, die sich stets mit gesellschaftlichen, politischen und geschichtlichen Fragestellungen beschäftigt.
Interview mit Ottmar Hörl:
Die Hitler-Gartenzwerge bleiben ohne juristische Folgen - Gegen Ottmar Hörl wird kein Verfahren eingeleitet.
Die Hitler-Gartenzwerge des Nürnberger Kunstprofessors Ottmar Hörl haben keine juristischen Folgen. Hörl gibt den Nationalsozialismus der Lächerlichkeit preis und möchte die Zwerge als Kunst verkaufen, desshalb sehe man von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab, teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth mit. "Bei der Gesamtschau wird die Gegnerschaft zur Ideologie hinreichend deutlich", hieß es zur Begründung. Prinzipiell sei das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen - darunter der Hitlergruß - strafbar. Doch werde dies nicht verfolgt, wenn die Darstellung in offenkundiger und eindeutiger Weise die Bekämpfung der Nazi -Ideologie zum Ausdruck bringe.
Der Gartenzwerg, der den rechten Arm zum Hitlergruß ausstreckt, hatte für viel Wirbel gesorgt. Ein Unbekannter hatte sich über die Präsentation der puppengroßen Kunststofffigur in einer Nürnberger Galerie beschwert und sich mit einem anonymen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Vorermittlungen auf. Hörl sowie seinem Galeristen sei jedoch nichts vorzuwerfen. Allerdings sehe die Anklage durchaus ein gewisses Missbrauchspotenzial und wird künftige öffentliche Verwendungen der Zwerge in jedem Einzelfall prüfen.
Hörl hatte den Gartenzwerg, den er selbst als Persiflage auf das "Herrenmenschentum" der Nazis betrachtet, für eine Ausstellung der Kunstmesse in Gent (Belgien) geschaffen. Im Foyer standen 700 Exemplare des Nazi-Zwerges. Kurz darauf wurden die Figuren in Bozen/Südtirol ausgestellt. Die Nachfrage an den Objekten nahm darauf hin rasant zu.
Der Streit um die Hitler-Zwerge des Nürnberger Kunstprofessors Ottmar Hörl hat einen Nachfrage-Boom nach den Skulpturen ausgelöst.
Seit kurzem erhalte er Anfragen von Kaufinteressenten aus aller Welt, berichtete der Künstler. Darunter seien auch viele renommierte jüdische Kunstsammler in den USA. "Die haben die Ironie genau verstanden". Auch aus anderen Teilen der Welt erhalte er per E-Mail Anfragen von Interessenten. Nazis sind unter den Kaufinteressenten nach seiner Einschätzung nicht, denn "Nazis sehen sich doch selbst als groß, blond und heldenhaft - ein Gartenzwerg ist das nicht!
Wegen des Gartenzwergs, der den rechten Arm zum Hitlergruß ausstreckt, ermittelt inzwischen die Nürnberger Staatsanwaltschaft. Möglicherweise sei ein Symbol einer verfassungswidrigen Organisationen verwendet worden. Die Verwendung solcher Symbole sei nur dann straffrei, wenn damit eine verfassungswidrige Organisationen kritisiert würde.
Die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD): "Ich bewerte nicht einzelne Maßnahmen von einzelnen Staatsanwaltschaften. Klar ist aber, dass wir in Deutschland neonazistische Symbole verboten haben - und es von daher auch erstmal nicht abwegig ist, dass man sich das genau anschaut", sagte sie. "Das ist ja die üblich bekannte Abwägungsgeschichte zwischen Satire und Beleidigung - das werden die Gerichte schon machen."
Zwergenaufstand!
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Nürnberger Künstler Ottmar Hörl
Wenn es eine ideale Stellenbeschreibung für Ottmar Hörl geben würde, dann müsste darin die Aufforderung zu finden sein, für möglichst viel Wind zu sorgen. Hörl steht seit vier Jahren der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg vor, die man sich zum Leidwesen der Studenten als ausgesprochen windstillen Ort vorstellen muss. Es ist ein wundervoller Ort. Aber man muss dort manchmal auf sich aufmerksam machen, um nicht in Vergessenheit zu geraten.
Hörl ist dafür der richtige Mann. "Wenn wir nicht aufpassen, dann machen wir hier Kunst in der Isolation", sagt der Präsident. Er räumt aber ein, dass er dieser Tage eher unfreiwillig in den Blättern mit den großen Buchstaben zu finden ist. Es geht um seriell produzierte Gartenzwerge, die Hörl in der Stadt Gent zur Schau gestellt hat. Weil die Belgier eine Kunst bestellt hatten, die sich mit den Gefahren des Rechtsradikalismus beschäftigt, heben Hörls Plastikzwerge den rechten Arm zum Hitlergruß. In Gent fand die Schau gute Resonanz, im italienischen Bozen taugten die Zwerge eines deutschen Akademie-Präsidenten ebenfalls nicht zum Skandalon. Und sogar im bayerischen Aschaffenburg sorgten die Nazi-Zwerge zuletzt nicht für nennenswertes Aufsehen.
Nun aber hat ein Nürnberger Galerist einen der 700 Zwerge in ein Schaufenster gestellt. Ein Anonymer hat an mehrere Zeitungen Beschwerdebriefe versendet, das hat dann die Nürnberger Staatsanwaltschaft veranlasst, ein Ermittlungsverfahren gegen Hörl einzuleiten: wegen des Anfangsverdachtes der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole.
Hörl ist von der Staatsanwaltschaft aufgefordert worden, zum Zwerg mit dem Führergruß Stellung zu nehmen. Er sei sehr erstaunt, dass ein "anonymer Denunziant" und ein ihm gänzlich unbekannter Nürnberger Galerist so eine Debatte auslösen können, sagt der Akademie-Präsident. Unter dem Standbein eines jeden der Zwerge findet sich übrigens die Inschrift "poisoned", vergiftet.
Die Empörung über den Hitler-Zwerg offenbart nach Ansicht von Ottmar Hörl die Scham vieler Bundesbürger über die Nazi-Zeit.
Bei vielen Menschen in Deutschland sei die Nazi-Zeit offenbar noch immer nicht verarbeitet. Sie sind aufgebracht und sauer über die Person, die das Thema wieder in den Fokus stellt. Nur kann man sich die heftigen Reaktionen auf die kritische Arbeit erkären.
Der Kunstproffessor Ottmar Hörl hatte mit einer puppengroßen, Zwergenskulptur, die den rechten Arm zum Hitlergruß ausstreckt, in letzter Zeit eine Welle der Kritik und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen ausgelöst. Leserbriefschreiber hatten dem Künstler Geschmacklosigkeit vorgeworfen, andere hatte der Hitler-Gartenzwerg hingegen amüsiert. Eine aus 700 Zwergen bestehende Installation hatte Ottmar Hörl im belgischen Gent gezeigt. Sie war als «Demonstration gegen Rechts», die Figur selbst als «Persiflage auf das Herrenmenschentum der Nazis» gedacht.
Nach seiner Ansicht ist es kein Zufall, dass die Kritik an der Zwergskulptur ausgerechnet in Nürnberg, der früheren Stadt der Reichsparteitage, entflammt sei. «In Nürnberg liegen, was die Nazi- Vergangenheit angeht, die Nerven blank.» Er räume zwar ein, dass sich Nürnberg unter anderem mit der «Straße der Menschenrechte» und anderen Aktionen darum bemühe, sich mit der jüngsten Geschichte auseinandersetzen. «Ich bin mir aber nicht sicher, ob man an einer Aufarbeitung der Nazi-Geschichte der Stadt wirklich interessiert ist», sagte er.
Was ihn an der Auseinandersetzung um seine jüngste Arbeit störe, sei nicht die Kritik, sondern der Stil. «Ich habe daher nichts gegen Kritik. In vielen Leserbriefen in Zeitungen wird aber die die Schwelle zur Intoleranz überschritten. Da wird nicht die offene Auseinandersetzung mit mir gesucht, sondern versucht, mich aus der öffentlichen Diskussion zu entfernen», kritisierte Hörl. Bei solchen Reaktionen sei er froh, dass er in Freiheit und in einer Demokratie lebe, für die er in den sechziger Jahren als junger Mann auf die Straße gegangen sei.















