GALERIE ZIMMERMANN

Mel Ramos: Ein verkanntes Genie

Mel Ramos: Ein verkanntes Genie

Wahrscheinlich hat sich der kalifornische Künstler Mel Ramos früh damit arrangiert, von der Öffentlichkeit missverstanden zu werden. Oberflächlich betrachtet sind seine Bilder kommerzielle Pin-Up-Darstellungen. Doch in Wahrheit reflektiert Mel Ramos Strömungen in der Gesellschaft und der Kunst-Branche.

Bei dem 1935 in Sacramento geborenen Künstler begann seine Karriere mit dem Malen von Comic-Figuren. Dabei begann Mel Ramos bereits Ende der 50er Jahre sich von der alles beherrschenden Abstraktion zu emanzipieren. In seinen frühen Werken ist eine Pinselführung erkennbar, welche expressivem Charakter aufweist. Exakt ist es nicht mehr bestimmbar wann sich der Kalifornier Mel Ramos dem Darstellen von Pin-up-Girls zuwandte. Dabei stellte er als Akt die Frauen so dar, wie sie in der Reklame der damaligen Zeit vorgesehen waren: Als sexy Beiwerk zu einem eher unerotischen Produkt. Eine Parodie, welche von dem Großteil seiner Zeitgenossen nicht verstanden wurde. Überdimensional beherrschen die Produkte seine Szenerien. Bananen, Zigarren, Erdnussdosen, Coca-Cola oder Streichkäse monumental abgebildet. Lasziv rekeln sich darum die Pin-up-Girls. Dabei sind die Darstellungen von Mel Ramos sehr nah am Fotorealisums. Was Mel Ramos darstellt ist eine verkehrte Welt: Während auf Reklamepostern und in TV-Werbespots die Models groß und die Produkte klein sind, stellt der Maler sie in umgekehrten Dimensionen dar. Trotzdem ist das zentrale Motiv die leicht bekleidete Frau. Mel Ramos hält dadurch den Werbeschaffenden und männlichen Konsumenten einen unangenehmen Spiegel vor. Seine Botschaft  an die Kreativen der Werbebranche könnten lauten: Seht her! So einfallslos seid ihr! Während die Quintessenz an die Käufer ist, dass sich alles verkaufen lässt, wenn nur die Frau als Lustobjekt in der Reklame eingebettet ist. Sex sell´s!

In seinen Werken ab Mitte der 70er Jahre greift Mel Ramos die Aktdarstellungen von klassischen Meistern auf. Dabei verfremdete er die Vorlagen um bestimmte, aber Ausschlag gebende Nuancen. Dadurch entstanden keine Kopien, sondern perfekt gefertigte Persiflagen.