GALERIE ZIMMERMANN

Besuch bei den Floating Piers von Christo

Am letzten Wochenende waren wir zu Besuch bei den Floating Piers von Christo

In Deutschland wurde Christo vor allem bekannt als er gemeinsam mit seiner Frau 1995 das Berliner Reichstagsgebäudes mit 100000 qm Gewebe aus thermoplastischen Kunststoff und Seilen mit einer Gesamtlänge von 15 km verhüllte. Doch diese weltweit beachtete Verhüllungsaktion war keineswegs das erste spektakuläre Großprojekt des Genies der Voilagekunst. Das Ehepaar machte seit 1961 immer wieder Schlagzeilen mit sensationellen Großprojekten. Die Verhüllung des Reichstages darf dabei schon fast, wenn schon nicht als geografische so doch in jedem Fall als eine künstlerische Rückkehr gewertet werden, wenn man bedenkt, dass 1961 das erste gemeinsame Werk eine Mauer aus Ölfässern den Eisernen Vorhang symbolisierend eine Pariser Seitenstraße versperrte.


Floating Piers von Christo

Floating Piers von Christo am Lago D´iseo / Photos by Sabine Zuberbier
Seine Frau begleitete ihn bis zu ihrem Tod 2009 bei zahllosen Verhüllungsprojekten vor allem an bekannten Bauwerken dieser Welt und diversen Kunstaktionen in denen ganze Landschaften mit einbezogen wurden. Seine Affinität zu Stoffbahnen scheint er bereits in seiner frühen Jugend entdeckt zu haben, so soll er in der Textilfabrik seines Vaters Stoffballen gezeichnet haben. Sein Weg hin zum „Voilageur dieser Welt“ war vorgezeichnet. Gepaart mit dem organisatorischen Geschick seiner Frau wurden Projekte in Angriff genommen, bei denen ein Scheitern nicht von vornherein ausgeschlossen werden konnte. Das erste größere Verhüllungsprojekt wurde 1969 durch die beiden realisiert durch die Verhüllung der Kunsthalle Bern mit 2600 qm Kunststofffolie, ohne den Museumsbetrieb zu beeinflussen. Kunst macht vor nichts und niemanden halt, auch nicht vor ganzen Landstrichen. Das könnte Christo auch zu dem fast 40 km langen und 5 m hohen Zaun dem sogenannten „Running Fence“ inspiriert haben, mit dem er 1976 „Kalifornien zu dem größten Freilichtmuseum für zeitgenössische Kunst“ gemacht hat, so die ZEIT in einer ihrer damaligen Ausgaben. Überhaupt scheint das Gigantische, das Sensationelle ihn immer mehr zu ergreifen und Inspiration zu sein. So ließ er in der Biscayne Bay nahe Miami elf künstliche Inseln anlegen und umsäumte sie 1983 für zwei Wochen mit pinkfarbenen Gewebebahnen, die von den Ufern 60 Meter ins Meer ragten. Eine einmalige Symbiose von Kunst und Natur sowie ein Spektakel.
Einem Spektakel schienen die Pariser dann auch skeptisch gegenübergestanden zu haben, denn dem Plan die Brücke Pont Neuf mitten in Paris zu verhüllen schlug erheblicher Widerstand entgegen und konnte erst nach 10 Jahren realisiert werden. Der Erfolg und die zahllosen positiven Kritiken gaben dem Genie dann doch Recht. Eine riesige Verpackung um ein vertrautes Gebäude, ein oft besuchten oder gesehenen Ort machen den Blick frei auf ganz neue Realitäten und lenken ab von der Trivialität des Alltags.
Das Meisterstück folgte dann 1995. Nach 20 Jahren Vorbereitung und Unterstützung durch die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, aber auch nicht ohne heftige Diskussionen im Bundestag und unter den Berlinern, verhüllte der Künstler das Reichstagsgebäude in Berlin. Damit setzte er sich endgültig ein Denkmal.
Ob verhüllte Ölfässer im Kölner Binnenhafen, 7500 Tore im Central Park, Tausende Schirme die sich gleichzeitig öffnen, ein verpackter australischer Küstenabschnitt oder eine Mauer aus Fässern in einem alten Gasometer in Oberhausen, es geht immer noch ein wenig mehr und die Liste ließe sich noch fortsetzen.
Wer glaubt, dass der Verpacker der Welt mit seinen über achtzig Jahren zur Ruhe kommt, irrt gewaltig. Sein neuestes Projekt, die Floating Piers soll sogar aus dem All zu sehen sein. Es handelt sich um schwimmende Wege über den Iseosee in Oberitalien. Über 200000 Kunststoffwürfel und 70000 qm Hightech Stoff ergeben schwimmende 16 Meter breite Stege, über welche die Besucher ohne nasse Füße zu bekommen über drei Kilometer wandeln können. Ein Spaziergang zu den Inseln wie Monte Isola, ganz ohne Boot. Erstaunlich ist, dass diese Wege über den See ohne Geländer auskommen und auch keine Schwimmwesten vorhanden sind. Für die Sicherheit der Besucher sorgen 150 Wachleute und mindestens 30 Rettungsschwimmer. Die Floating Piers sind Tag und Nacht geöffnet und der Besucherandrang ist riesig. Das Interesse der Menschen an den Projekten Christos reißt nicht ab. Floating Piers musste aufgrund des Besucherandranges sogar schon einmal geschlossen werden.
Wie alle seine Projekte ist auch diese Landschaftsinstallation frei für die verschiedensten Kunst- oder metaphysischen Interpretationen. Ja, da wäre noch Mastaba, eine Pyramide aus 400000 bunten Ölfässern. Mastaba soll mit Kosten von über 320 Millionen Dollar das teuerste Kunstwerk der Welt werden und wird tatsächlich auf Sand gebaut. In der Nähe von Abu Dhabi City in der arabischen Wüste. Ob das ein „achtes Weltwunder“ wird? Lassen wir uns überraschen.