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"Photo meets Manga" in der Kultur-Zeitung:

Photo meets Manga

 

Europa als Wiege der zeitgenössischen Fotokunst trifft erstmals auf östliche Zeichentrick-Kultur, als Manga (Comic) bezeichnet oder in seiner lebendigen, filmischen Form als Anime (Zeichentrickfilm).

Seit über 10 Jahren hat sich in Asien, Vorreiter war Japan, ein eigenständiger Wirtschafts- und Kulturkreis unaufhaltsam den Weg nach Westen gebahnt. Sicherlich geprägt durch europäische Tradition, wie durch die Trickfilme des Franzosen Moebius, weniger durch die bekannten Zeichentrickfilme von Walt Disney.

 

Amerika scheint den Asiaten fremder zu sein als Europa. Und auch der Europäische Leser hat seine Liebe zu Japan entdeckt. Mittlerweile hat man sich an die sogenannten Mangas gewöhnt, nein, das ist noch untertrieben, die japanischen Comics finden heutzutage reißenden Absatz. Man liest sie von hinten nach vorne, von rechts nach links. Doch: Was ist denn so europäisch an asiatischen Mangas?  

Es ist wohl die Sichtweise: der Leser betrachtet die Welt mit den Augen des Hauptdarstellers. Die Themen sind sehr vielfältig: Natur, Umwelt, Religion, Liebe und Sexualität in allen Schattierungen, Fantasy.

Die Comichelden versuchen mit aller Kraft, die Welt zu retten oder sie zumindest positiv zu verändern. Der Ausgang dieses Unterfangens ist meistens positiv, manchmal jedoch auch ungewiß.

In mehreren Staffeln, d.h. Folgen, begleitet der Leser die Aktionen des Comichelden, häufig auch einer Heldin, wie z.B. Sailor Moon (Autorin Naoko Takeuchi) bis diese ihr selbst gesetztes Ziel erreichen.Die jungen Leser und Leserinnen- meistens um die 10 Jahre jung- sind fasziniert von Zeichenstil, Aussehen der Hauptdarstellerin und rasanten Bildfolgen, die den Leser phantasiereich  den Alltag vergessen lassen und in fremde Welten entführen.

 

In der Ausstellung Photo meets Manga in der Galerie Zimmermann & Heitmann treffen zwei Welten aufeinander. Die gestandene und lebenserfahrene Künstlerin Eva Horstick Schmitt konfrontiert die 14 jährige Schülerin Tania Schaubhut mit Photos der realen Welt: Leere Stuhlreihen, Fußballfelder, Steppen, Ausblicke aus Bürotürmen und Einblicke in intime Privatheit. Eva erteilt der Kunst ihre Referenz - und zeigt gleichzeitig, dass sie sich traut neue  kreative Wege zu beschreiten.

 

Tanias Reaktion ist subtil. Ihre eingezeichneten, surreal wirkenden Mangas scheinen der Seele des Bildes Ausdruck zu geben: subtil, verletzlich, manchmal auch naiv, fröhlich und unbeschwert.

Es ist die andere Seite der Wirklichkeit: Photo meets Manga, d.h. Realität trifft Phantasie. Phantasie, das sind nicht nur leere Träumereien, sondern auch Sehnsüchte und Hoffnungen des Menschen.

Eine Begegnung der ganz anderen Art, die das verschüttete innere Kind in jedem Betrachter wieder zum Leben erweckt. Eine spannende Begegnung ganz neuer Art, die einfach nur Freude bereitet und verlorene Gedanken über die Welt, in der wir leben, wieder finden lässt.