GALERIE ZIMMERMANN

Original oder Fälschung? - Möglichkeiten der Echtheitsüberprüfung von Ölgemälden

Das Geschäft mit der Kunst boomt. Doch schon lange ist das Interesse an großen Namen und hoch gehandelten Objekten nicht mehr ausschließlich ein Zeichen von Kunstverstand, sondern immer häufiger auch eine Frage des Prestiges. So kommt es, dass die Nachfrage steigt, während das Angebot von Natur aus begrenzt bleibt. Als Folge dieser Situation hat sich in den letzten Jahren ein reger Handel mit gefälschten Kunstwerken entwickelt – momentan liegt der Fälschungsanteil auf dem Kunstmarkt bei unglaublichen 40 Prozent.

Geklaute Gemälde, gefälschte Originale und sogar unechte Fälschungen – das Erfindungsreichtum der schwarzen Schafe unter den Kunsthändlern ist groß und es wird keine Gelegenheit ausgelassen, die Sammellust der Kundschaft gegen gutes Geld zu befriedigen. Neuesten Schätzungen zufolge handelt es sich bei gut der Hälfte aller Drucke, Lithografien und Radierungen, die derzeit auf dem Kunstmarkt kursieren, um Fälschungen – bei Ölgemälden ist die Zahl unbedeutend geringer. Zu den meistkopierten Bildern zählen neben Werken von Pablo Picasso und Joan Miró auch Werke des deutschen Expressionismus sowie der amerikanischen Pop-Art.

Der erschreckend hohe Anteil an Fälschungen auf dem Kunstmarkt ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass es sich hier um eine rechtliche Grauzone handelt. Sofern ein Kunstwerk älter ist als 70 Jahre, darf es legal kopiert werden. Illegal wird der Vorgang erst, wenn die Kopie als Original gehandelt und zu entsprechenden Preisen angeboten wird. Zu einer Überprüfung der Echtheit von Gemälden kommt es daher in der Regel erst, wenn ein begründeter Fälschungsverdacht besteht.

Gemälde im richtigen Licht – Durchstrahlungstechniken zur Echtheitsüberprüfung

Bei "normalem" Licht lässt sich eine Fälschung nur dann auch als Fälschung erkennen, wenn sie überaus nachlässig ausgeführt ist – wenn beispielsweise ein Druck für ein originales Ölgemälde ausgegeben wird. Dieser Schwindel lässt sich leicht an der glatten Oberflächenstruktur eines Drucks erkennen, welche bei einem echten Ölgemälde uneben und reliefartig wäre. Um hochwertigere Fälschungen als solche zu entlarven, bedarf es also einer Betrachtung bei Licht in unterschiedlichen Wellenlängen wie etwa ultraviolettem oder infrarotem Licht.

Mithilfe von UV-Strahlung lässt sich beispielsweise die Zusammensetzung der verwendeten Materialien überprüfen, da bestimmte Materialien die (für das menschliche Auge nicht sichtbare) Strahlung aufnehmen und in charakteristisch eingefärbtem sichtbarem Licht wieder abgeben. Je nachdem, in welche Farbe die Materialien fluoreszieren, kann also eine Aussage darüber getroffen werden, in welchem historischen Zeitraum sie verarbeitet wurden.

Das langwellige Infrarotlicht wird eingesetzt, um Gemälde auf frühere Farbschichten hin zu überprüfen: Je nachdem, inwieweit die Strahlung vom Gemälde absorbiert wird, kann so beispielsweise ausgeschlossen werden, dass sich unter dem sichtbaren Farbauftrag weitere Schichten befinden. Ist dies jedoch der Fall, ist es möglich, dass es sich um eine Form der Fälschung handelt, bei dem die Kopie auf einem authentischen Bildträger aufgebracht wird. Das Ursprungsbild wurde in einem solchen Fall schlichtweg übermalt.

Gemälde unter dem Mikroskop – chemische Analyse

Wenn die Durchstrahlungstechnik keine eindeutigen Ergebnisse zutage fördert bzw. der Verdacht weiterhin besteht, kann die Materialanalyse Klarheit schaffen. Bei dieser Technik gibt die Untersuchung der chemischen Eigenschaften von Farben und Leinwandfasern Aufschluss über deren Herkunft und Zusammensetzung. Für genaue Ergebnisse sind bereits kleinste Materialproben ausreichend.

Die chemische Analyse gibt unter anderem Aufschluss darüber, ob in einem Gemälde Materialien verwendet wurden, die zur angeblichen Entstehungszeit des Kunstwerks noch gar nicht existierten. So werden beispielsweise die Farbstoffe Zinkweiß und Preussischblau erst im 18. Jahrhundert verwendet und dürften in Gemälden vor dieser Zeit nicht zu finden sein.

Die Problematik: Wann ist ein Gemälde eine Fälschung?

Ein Kunstfälscher ist jemand, der ein Bild kopiert und es dann für das Original ausgibt – soweit jedenfalls die vorherrschende Meinung. Tatsächlich jedoch gibt es mindestens ebenso viele Möglichkeiten, ein Kunstwerk zu fälschen, wie es Techniken gibt, diese Fälschungen zu entlarven. So gilt es beispielsweise auch als Fälschung, wenn ein Gemälde mit einer weltbekannten, aber falschen Signatur versehen wird, um dessen Wert zu steigern. Diese Art der Fälschung ist in der Regel kaum nachzuweisen, da das Entstehungsdatum des (gefälschten) Bildes durchaus mit dem des Originals übereinstimmen kann – wenn beispielsweise ein Schüler seinen Meister kopierte und statt der eigenen die Signatur des bekannteren Malers unter das Bild setzte.

Ähnlich schwierig nachzuweisen sind Fälschungen, die mit den Materialien der jeweiligen Epoche hergestellt werden und die den Stil eines Künstlers perfekt nachahmen. Für diese Neukreationen, die auf dem Kunstmarkt in der Regel als neu entdeckte Werke des jeweils imitierten Meisters gehandelt werden, ist jedoch ein beträchtliches Maß an Talent, Übung und Kunstverstand vonnöten. Um einen bestimmten Stil perfekt zu imitieren, bedarf es jahrelanger Übung.