GALERIE ZIMMERMANN

Janosch: Die Geschichte von Tigerente, Schnuddel und Co.

"'Oh Tiger', sagte jeden Tag der kleine Bär, 'wie gut es ist, dass wir Panama gefunden haben, nicht wahr?'" Fast vierzig Jahre ist es her, dass der schlesische Kinderbuchautor Horst Eckert, besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Janosch", die rührende Geschichte vom Tiger und dem kleinen Bären schrieb – und damit Weltruhm erlangte. Bis heute hat der 1931 Geborene mehr als zwölf Millionen Bücher verkauft, die in über vierzig Sprachen übersetzt wurden. Ähnlich wie Udo Lindenberg, der mit seinen "Likörellen" von der Musik zur Bildenden Kunst fand, verewigt auch Janosch seine berühmten Motive seit einigen Jahren mit Pinsel und Farbe.

Wie Janosch zu seiner Tigerente kam

In den fast fünfzig Jahren seines Schaffens hat Janosch eine ganze Welt erdacht. In dieser Welt wimmelt es von kleinen Bären und Tigern, Mäusen mit roten Strümpfen und einer seltsamen Figur mit Schlapphut und langer roter Mähne namens "Schnuddel", die niemals ohne ihr Pferd, Schnuddelhopp, auftaucht. Die berühmteste Figur des Künstlers ist jedoch nach wie vor die "Tigerente", die 1978 das erste Mal als Nebenfigur in Janoschs Erfolgsbuch "Oh, wie schön ist Panama" erscheint. Seit diesem Tag ziehen Kinder kleine Tigerenten aus Holz hinter sich her, fahren auf Tigerenten-Fahrrädern, gehen am Abend in Tigerenten-Schlafanzügen zu Bett und schauen am Nachmittag den "Tigerentenclub" im Fernsehen an. Seit 2002 findet in Kassel sogar einmal im Jahr das sog. "Tigerentenrennen" statt, das wohltätigen Zwecken dient und sich mittlerweile zu einem regelrechten Volksfest mit durchschnittlich 8000 Besuchern im Jahr entwickelt hat.

Mehr Popularität könnte sich ein Schriftsteller für eine seiner Figuren wohl nicht wünschen. Und dabei war eigentlich alles ein riesengroßer Zufall – eigentlich hatte Janosch nämlich nicht schreiben, sondern malen wollen. Damals noch als Horst Eckert, zieht der gebürtige Schlesier 1953 nach München, wo er an der "Akademie der Bildenden Künste" Malerei studiert. In Anbetracht seines heutigen Erfolges scheint es beinahe ironisch, dass Eckert das Studium damals bereits nach einem Jahr wegen "mangelnder Begabung" wieder abbricht. In der Folgezeit arbeitet er als freischaffender Künstler, wovon er allerdings mehr schlecht als recht leben kann. Die rettende Idee kommt ihm, als Eckert ganz tief unten ist:

"Ich hatte so die Schnauze voll von diesem Job, weil ich überhaupt nichts bezahlt gekriegt hab, ich hab nichts verdient, und ich weiß noch, wie ich diesen magischen Augenblick hatte, ich war so total verzweifelt und habe gesagt, ich mach das nicht mehr. Da hab ich eine Tasche genommen und bin nach Ibiza gefahren, hab da draußen in so einer Kneipe rumgesessen, trank zwei Cuba Libre. Beim zweiten Glas hatte ich plötzlich die Idee, dass der blöde Bär nach der Reise wieder nach Hause kommt - und denkt, das ist das, was er gesucht hat. Ich flog zurück und hab das aufgeschrieben. Das war's dann."

Von den Büchern zu den Bildern: Janosch als bildender Künstler

Im Grunde arbeitet Ecke auch damals schon als bildender Künstler, denn "Oh, wie schön ist Panama" ist ja vor allem eines: ein Bilderbuch. Ein Freund rät Ecke damals, aus der Zeichenserie ein Kinderbuch zu machen und sein Verleger Georg Lenz hat die Idee, das Ganze mit einem Pseudonym zu garnieren: Der Künstler "Janosch" ist geboren. Ecke selbst betrachtet seine Kinderbücher, so erfolgreich sie auch sein mögen, nach wie vor als Zufallsprodukt und beginnt schon bald damit, auch "Ernsthafteres" schreiben zu wollen. In seinem Haus auf Teneriffa, wo er seit Anfang der 1980er Jahre lebt, schreibt "Janosch" zunehmend Romane, die von seiner schweren Kindheit erzählen und von seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit dem Katholizismus. Für den Roman "Polski Blues" wird der Schriftsteller im Jahre 1992 sogar mit dem Andreas-Gryphius-Preis ausgezeichnet. Nichtsdestotrotz erlangt Janoschs "Erwachsenenwerk" nicht einmal ansatzweise so viel Berühmtheit wie seine Kinderbücher – und das sehr zum Missfallen des Künstlers.

Janosch – Frohsinnige Weihnacht

Desto erfreulicher ist es, dass der 84-Jährige mittlerweile auch als Bildender Künstler anerkannt ist: In seinen Zeichnungen, Aquarellen und Radierungen tauchen natürlich immer wieder die klassischen Motive aus Tigerenten- und Schnuddelzeiten auf, so beispielsweise in den Zeichnungen "Frohsinnige Weihnacht" und "Dortmund", die Sie auch in unserer Galerie finden.

Eckes Werke ermöglichen allerdings erstmals auch eine andere Sichtweise auf den Künstler und geben Einblick in die Gedankenwelt eines Menschen, der zwischen Extremen schwankt: Natürlich ist Janosch einerseits der Mensch, der Kindern Geschichten von Liebe, Mut und Freundschaft erzählt.

Janosch – Eminenz wird ihn finden

Doch Janosch ist auch ein Mensch, der zeitlebens unter seiner - nach eigener Aussage - mangelnden schriftstellerischen Begabung leidet und sich auch über den Erfolg seiner Kinderbücher nicht wirklich freuen kann. Zitat: „Die Tigerente ist Mist.“ - Zeugnis dieser dunkleren, häufig sarkastischen Seite des berühmten Künstlers sind etwa Bilder wie "Vergeblich vergöttern wie die Kunstmuse" oder "Eminenz wird ihn finden" (siehe Bild).